WANDBILD TIERE



BERT HELLER

1956
Diplomarbeit Bildhauerei
Sgraffito-Technik,
Wandpaneel,
H 2,60m x B 20,00m
Restaurierung 2025/2026






  ORT













WERK + GESCHICHTE

Das Wandbild „Tiere“ entstand 1956 für die Mensa der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Es gehört zu einer Reihe baugebundener Kunstwerke, die im Auftrag des Kulturfonds der DDR für die neu errichtete Hochschule geschaffen wurden. Das Werk erstreckt sich über zwei Wandflächen und zeigt in feinen Linien und zurückhaltender Farbigkeit Tier- und Naturdarstellungen. Die Komposition wirkt leicht und rhythmisch und verbindet dekorative Elemente mit einer poetischen Naturbeobachtung.

Technisch wurde das Wandbild als Sgraffito in Stucktechnik ausgeführt. Auf einer etwa 15 Millimeter starken Stuckschicht wurden die Motive in den noch feuchten Putz eingeritzt und vertieft herausgearbeitet. Die entstandenen Vertiefungen wurden anschließend mit farbigem Gips ausgelegt und nach dem Trocknen geschliffen, wodurch eine sehr präzise und fein abgestimmte Oberfläche entstand.


DER KÜNSTLER

Bert Heller (1912–1970) war ein deutscher Maler, Grafiker und Hochschullehrer und zählt zu den bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten der frühen DDR. Nach dem Zweiten Weltkrieg lehrte er zunächst an der Kunstschule in Wernigerode und wurde anschließend Meisterschüler von Heinrich Ehmsen an der Akademie der Künste in Berlin. Danach erhielt er eine Professur für Malerei an der Hochschule für Bildende und Angewandte Kunst Berlin-Weißensee, deren Rektor er von 1956 bis 1958 war. Seine Entlassung als Rektor stand im Zusammenhang mit seiner kritischen Haltung gegenüber ideologischer Enge und starren Lehrstrukturen. 

Obwohl Heller hohe staatliche Anerkennung erhielt und Mitglied der Akademie der Künste wurde, bewahrte er sich eine eigenständige künstlerische Position. Sein Werk verbindet figürliche Darstellung, expressive Farbigkeit und eine offene Haltung gegenüber moderner Kunst. Besonders bekannt wurde er durch seine Porträts, Wandbilder und baugebundenen Arbeiten. 

Zu seinen wichtigsten Werken zählen:

  • das Wandbild „Tiere“ (1956) in der Mensa der Kunsthochschule Berlin-Weißensee,
  • das monumentale Mosaik „Aus dem Leben der Völker der Sowjetunion“ (1964) am Café Moskau in Berlin, 
  • das Porträt „Helene Weigel“ (1951),
  • das Bildnis Bertolt Brecht (1955/56),
  • das Gemälde „Adieu Elfenbeinturm“ (1960),
  • sowie zahlreiche Bildnisse bedeutender Persönlichkeiten wie Hanns Eisler, Otto Nagel, Gisela May, Gret Palucca oder Louis Armstrong. 

Darüber hinaus schuf Heller Wandbilder für den Ratskeller und das Rathaus in Wernigerode sowie zahlreiche Grafiken, Aquarelle und Filmplakate. Sein Gesamtwerk umfasst rund 200 Gemälde und grafische Arbeiten und bewegt sich zwischen Porträtkunst, gesellschaftlicher Darstellung und monumentaler Architekturkunst. 


KONSERVIERUNG

Im Zuge von Renovierungsarbeiten wurde das Wandbild in den 1970er Jahren ohne konservatorische Schutzmaßnahmen mehrfach überstrichen. Insgesamt konnten später sechs Farbschichten nachgewiesen werden, darunter mehrere Dispersionsanstriche, die das ursprüngliche Werk vollständig verdeckten.

Die Restaurierung erfolgte durch eine vorsichtige manuelle Freilegung mithilfe von Abbeizpasten. Erste Testflächen zeigten, dass die originale Oberfläche unter den Übermalungen erhalten geblieben war. Nach der Freilegung wurden die Oberflächen behutsam gereinigt und fein geschliffen. Anschließend erfolgte eine Schadenskartierung zur Dokumentation von Fehlstellen und Beschädigungen.

Zur langfristigen Konservierung wurden Maßnahmen zur Stabilisierung und zum Schutz der empfindlichen Oberfläche vorbereitet. Ziel der Restaurierung war es, die ursprüngliche Materialität, Farbigkeit und feine Linienführung des Wandbildes wieder sichtbar und dauerhaft erfahrbar zu machen.

















WEIßENSEE KUNSTHOCHSCHULE BERLIN, ACADEMY OF ART