BODENREFORM
– WENDEPUNKT DEUTSCHLAND
BODENREFORM
– WENDEPUNKT DEUTSCHLAND
– WENDEPUNKT DEUTSCHLAND
1956
Auftragsarbeit
Vorgesetzte Ständerwand, Secco-Kasein-Malerei auf Putz
H 3,10m × B 12,65m
Restaurierung 2011 durch
Perette Manz-Hendrich, Martina Runge und Katrin Strietzel
Das Wandbild „Bodenreform – Wendepunkt Deutschland“ entstand 1956 für den Vorraum der Aula der Kunsthochschule Berlin Weißensee und zählt zu den bedeutendsten erhaltenen Beispielen der frühen Kunst-am-Bau-Periode der DDR. Das großformatige Werk thematisiert die gesellschaftlichen Umbrüche der Nachkriegszeit und die Bodenreform als politischen und sozialen Neubeginn. Stilistisch verbindet das Wandbild monumentale Figuration mit einer erzählerischen Bildsprache und zeigt Einflüsse der mexikanischen Wandmalerei, insbesondere von
Das Werk entstand im Zusammenhang mit der künstlerischen Gesamtausstattung des Hochschulneubaus nach Plänen von
DER KÜNSTLER
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Mohr 1946 zu den Mitbegründern der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin Weißensee, der heutigen Kunsthochschule Berlin Weißensee. Dort wirkte er fast drei Jahrzehnte als Professor und prägte maßgeblich die künstlerische Ausbildung der Nachkriegszeit. Gemeinsam mit Künstlern und Gestaltern aus dem Umfeld des Bauhauses entstand in Weißensee ein interdisziplinäres Lehrmodell, das Kunst, Handwerk, Architektur und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verband. Besonders wichtig war Mohr die zeichnerische Grundlagenlehre. Er verstand Zeichnung nicht nur als technische Übung, sondern als Mittel genauer Wahrnehmung und gesellschaftlicher Beobachtung.
1949 war Mohr gemeinsam mit dem Drucker
Zu seinen bedeutendsten Werken zählen:
- Das monumentale Wandbild „Bodenreform – Wendepunkt Deutschland“ (1956) in der Kunsthochschule Berlin Weißensee
- Das Gemeinschaftswandbild „Metallurgie Hennigsdorf“ (1949, mit René Graetz und Horst Strempel; später zerstört)
- Das Triptychon „So wie die Erde ist muß die Erde nicht bleiben …“ (1975) für den Palast der Republik
- Zahlreiche Berliner Stadt- und Alltagsszenen
- Kaltnadelradierungen und Lithografien
- Die Porträts Helene Weigel und Bertolt Brecht
- Landschaftsarbeiten wie „Blick zum Bode-Museum“ (1989)
Mohrs Werk verbindet soziale Realität, figürliche Darstellung und eine präzise, oft skizzenhafte Bildsprache. Besonders seine Zeichnungen und Druckgrafiken gelten heute als bedeutende künstlerische Zeugnisse des Berliner Alltags im 20. Jahrhundert. Als Lehrer beeinflusste er zahlreiche Künstlergenerationen der Kunsthochschule Weißensee nachhaltig.
RESTAURIERUNG
Das Wandbild erlitt über Jahrzehnte erhebliche Schäden durch intensive Nutzung des Gebäudes, wiederholte Umgestaltungen des Vorraums, klimatische Belastungen sowie vandalistische Eingriffe. Risse, Putzlockerungen, Bohrlöcher, Farbspritzer und tiefe Kratzer beeinträchtigten die Oberfläche massiv. Zusätzlich wurden Teile des Bildes durch Übermalungen und spätere Anstriche verändert.
Im Zuge der Rekonstruktion der Aula wurde das Werk 2011 umfassend restauriert. Die Restaurierung erfolgte durch die Restauratorinnen Perette Manz-Hendrich, Martina Runge und Katrin Strietzel. Ziel war die Erhaltung des Wandbildes am ursprünglichen Ort sowie die Wiederherstellung der ursprünglichen Farbigkeit und Wirkung.
Zunächst wurden lose Putzbereiche gefestigt und Risse mit Injektionsmörtel geschlossen. Anschließend erfolgte die Sicherung der empfindlichen Malschichten. Die Oberfläche wurde trocken gereinigt, Farbspritzer und Übermalungen mechanisch entfernt und zahlreiche Beschädigungen gekittet. Besonders aufwändig war die Retusche der Fehlstellen, um die Leichtigkeit und Transparenz der ursprünglichen Malerei wiederherzustellen.
Die Restaurierung machte das Werk erneut öffentlich sichtbar und sicherte eines der wichtigsten erhaltenen Wandbilder der frühen DDR-Kunst-am-Bau-Periode dauerhaft für die Zukunft.
Arno Mohr bei der Arbeit